DSL News
Doch noch VDSL für alle?
Über das neue VDSL-Netz der Deutschen Telekom ist in den vergangenen Monaten viel geschrieben worden. Für den Laien sind die Standpunkte der Telekom, Bundesregierung und privaten Telefon-Anbieter nicht immer durchschaubar gewesen. Nun klagt die EU gegen die deutsche Bundesregierung auf Grund der Monopolisierung des VDSL-Netzes. Wir erklären die Hintergründe.
Das neue Hochgeschwindigkeits-Netz VDSL der Deutschen Telekom wird seit einigen Jahren in den größten Ballungsgebieten in Deutschland aufgebaut. Es ermöglicht Download-Geschwindigkeiten von bis zu 50 Mbit/s. Möglich sind Fernsehen, Telefon und Internet über eine Leitung. Dieser Komfort hat jedoch seinen Preis: Der Ausbau des VDSL-Netzes ist teuer und sehr aufwändig. Die Deutsche Telekom muss diese Kosten aus eigener Tasche finanzieren. Daher hat sie den weiteren Ausbau stets von einer alleinigen Nutzung des Netzes abhängig gemacht. Die Entscheidung, ob es ein VDSL-Monopol für einen gewissen Zeitraum geben wird, haben die Bundesnetzagentur und die deutsche Bundesregierung vor einiger Zeit getroffen.
VDSL ohne Konkurrenten
Um weitere Investitionen der Deutschen Telekom nicht zu gefährden, verständigte man sich darauf, den VDSL-Markt für eine Zeit lang gegenüber Mitbewerbern zu verschließen. Diese Absicht rief schon früh die EU-Medienkommissarin Viviane Reding auf den Plan. Sie drohte mit einer Klage, wenn der VDSL-Markt dicht gemacht würde. Schließlich ist es in der EU verboten, etablierte Telekommunikationsunternehmen von der Regulierung auszunehmen und für damit den Wettbewerb einzuschränken.
EU klagt seit heute gegen Deutschland
Seit heute sieht sich die Bundesrepublik nun der angekündigten Klage durch die EU ausgesetzt. Dabei hat sich Brüssel sogar für ein Eilverfahren entschieden, das Deutschland nur 15 Tage Zeit lässt, auf die Einwände zu antworten. Im Endeffekt wird aller Voraussicht nach der Europäische Gerichtshof den Fall entscheiden müssen. Möglicherweise brauchen Konkurrenten der Deutschen Telekom aber gar nicht bis zum Urteil abzuwarten, um VDSL-Anschlüsse vermarkten zu können. Wie das Bonner Unternehmen bekannt gibt, können andere Marktteilnehmer das VDSL-Netz der Telekom mitbenutzen. Dieser Punkt wäre nie in Frage gestellt worden. Es würden dabei lediglich die marktüblichen Kosten anfallen, so die Telekom.
